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Wie das Strommarktdesign künftigen Preisschocks entgegenwirken kann

Eine Stellungnahme des Kopernikus-Projektes SynErgie nimmt die aktuelle Situation auf dem Strommarkt in den Fokus und zeigt auf, wie sich mittel- bis langfristig hohe Strompreise vermeiden lassen.

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© 1599685sv – stock.adobe.com

Die aktuell hohen Gas- und Strompreise sind eine große Herausforderung – für private Haushalte, aber auch für energieintensive Industriezweige. Gründe für die hohen Preise sind unter anderem die stark gestiegene Nachfrage nach Gas und Strom in Folge der wirtschaftlichen Erholung nach der COVID-19-Pandemie sowie ein Rückgang der Gasimporte in den europäischen Markt. Die hohen Gaspreise schlagen direkt auf die Strompreise durch, da derzeit noch in erheblichem Maße konventionelle Kraftwerke, insbesondere Gaskraftwerke, zum Einsatz kommen, um die Stromnachfrage zu befriedigen.

In der gerade erschienenen Stellungnahme gehen die Expertinnen und Experten des BMBF-geförderten Kopernikus-Projektes SynErgie auf mögliche Maßnahmen für ein intelligentes, nachhaltiges und bezahlbares Stromsystem der Zukunft sowie die dabei zentrale Rolle des Strommarktdesigns ein. Sie halten die Empfehlungen der Europäischen Kommission, wie etwa kurzfristige Steuerentlastungen, finanzielle Hilfen für Geringverdienende oder den Aufbau von Gasreserven auf EU-Ebene, zwar für geeignet, um die Situation kurzfristig zu entschärfen. Überstürzte adhoc-Eingriffe in das Marktgeschehen wollen sie hingegen vermeiden.

„Kurzfristige Preisspitzen können auf dem Strommarkt dazu beitragen, Investitionen in Flexibilität und erneuerbare Energien anzureizen. Der aktuelle Preisbildungsmechanismus trägt daher grundsätzlich zur Beschleunigung des Ausbaus von beispielsweise Stromspeichern, Power-to-X oder Nachfrageflexibilitäten bei“, so Martin Weibelzahl von der Projektgruppe Wirtschaftsinformatik des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Informationstechnik (FIT), einer der Autoren. „Überstürzte Eingriffe in den Markt können hingegen das Vertrauen der Marktteilnehmenden in die Funktionsfähigkeit der Energiemärkte erheblich gefährden. Für die notwendigen Investitionen aus der Privatwirtschaft müssen die Rahmenbedingungen stabil und langfristig planbar bleiben“, so Martin Weibelzahl weiter.

Der Schlüssel, um einer Verschärfung der Preisentwicklungen mittel- bis langfristig vorzubeugen, könnte eine zielgerichtete Weiterentwicklung des Strommarktdesigns sein. Ein zukunftsfähiges Strommarktdesign müsste demnach

  • von allen zentralen Akteuren des Energiesystems getragen werden,
  • die Integration erneuerbarer Energien in das Stromsystem bestmöglich unterstützen,
  • dringend benötigte Flexibilitätspotenziale heben,
  • Netzrestriktionen adäquat berücksichtigen und
  • somit zu einer Senkung der Gesamtsystemkosten beitragen.

So könnte bereits heute allein die deutsche Industrie ihre Leistung im Umfang von 4,8 Gigawatt an das schwankende Angebot erneuerbarer Energien anpassen – das entspricht in etwa der Nennleistung von 1370 Onshore-Windkraftanlagen und damit etwas mehr als die im gesamten Bundesland Bayern installierten Windkraftanlagen. Damit die entsprechenden Potenziale zum jeweiligen Zeitpunkt am benötigten Ort erschlossen werden könnten, bräuchte es jedoch zeit- und ortsabhängig differenzierte Preisanreize.

Für das Stromsystem der Zukunft sind europäische Lösungen sowie eine begleitende Digitalisierung nötig, die eine intelligente Koordination von Stromerzeugung, -übertragung, und -verbrauch erlauben. Die zukünftige Weiterentwicklung des Strommarktdesigns wird eine entscheidende Rolle dabei spielen, Deutschlands klimapolitische Ziele erfolgreich voranzutreiben und gleichzeitig eine kosteneffiziente und bezahlbare Energieversorgung zu gewährleisten, sind sich die SynErgie-Expertinnen und -Experten sicher.

Zum Download der Stellungnahme: Preisschock an den Energiemärkten und die Rolle des Marktdesigns