Am 9. und 10. April 2026 kam das SynErgie-Netzwerk zum Promovierendenseminar und Visit-The-Best zusammen — in diesem Jahr zu Gast an der Aachener Verfahrenstechnik (AVT) der RWTH Aachen. Das jährliche Format hat sich seit SynErgie I als zentrale Plattform für den interdisziplinären Austausch des wissenschaftlichen Nachwuchses im Kopernikus-Projekt etabliert und fand nun zum letzten Mal statt.
Am ersten Tag standen an der AVT die Forschungsthemen der Promovierenden im Mittelpunkt. In Kurzpräsentationen stellten die Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler ihre aktuellen Arbeiten rund um Energieflexibilität und die Flexibilisierung energieintensiver Prozesse vor. Anschließende Gruppendiskussionen boten Raum, methodische Ansätze zu vertiefen und disziplinübergreifende Anknüpfungspunkte zu identifizieren. Wie in den Vorjahren lag ein besonderer Schwerpunkt auf dem Wissenstransfer von erfahrenen Promovierenden an die jüngeren Kolleginnen und Kollegen.
Am zweiten Tag führte eine Exkursion die Gruppe ins Stahlwerk von thyssenkrupp Steel in Duisburg — einem der bedeutendsten Stahlstandorte Europas. Im Mittelpunkt des Besuchs stand die Dekarbonisierungsstrategie des Unternehmens und insbesondere die Produktfamilie bluemint® Steel, mit der thyssenkrupp bereits heute CO₂-reduzierten Stahl in Serie anbietet. Die Promovierenden erhielten Einblicke in die zwei aktuellen Routen zur Emissionsminderung: zum einen über den Einsatz von speziell aufbereitetem Recyclingmaterial wie TSR40, zum anderen über den strategischen Umbau hin zur wasserstoffbasierten Direktreduktion. Mit einer Kapazität von 2,5 Millionen Tonnen direktreduziertem Eisen (DRI) soll die neue Anlage — eines der weltweit größten industriellen Dekarbonisierungsprojekte — bereits im ersten Schritt bis zu 3,5 Millionen Tonnen CO₂ jährlich einsparen.
Die direkte Begegnung mit der industriellen Realität — die Dimensionen der Hochöfen, die laufende Transformation hin zu einer wasserstoffbasierten Stahlerzeugung und die damit verbundenen technischen wie wirtschaftlichen Herausforderungen — ergänzte die wissenschaftlichen Diskussionen des Vortages auf besonders greifbare Weise. Für die Promovierenden wurde deutlich, wie eng die Forschung im SynErgie-Kontext mit den realen Transformationspfaden der deutschen Grundstoffindustrie verzahnt ist.
Insgesamt waren die zwei Tage eine rundum gelungene Veranstaltung, die den interdisziplinären Austausch innerhalb des Netzwerks weiter gestärkt und den Dialog zwischen Wissenschaft und Industrie vertieft hat. Unser Dank gilt dem Team der AVT an der RWTH Aachen für die hervorragende Organisation und Gastfreundschaft sowie thyssenkrupp Steel Europe für den offenen und eindrucksvollen Einblick in eines der zentralen Dekarbonisierungsprojekte Europa.