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Spotmarkt-Design von Strommärkten: Internationale Experten fordern Politik zum Handeln auf

In einem Workshop des Kopernikus-Projekts SynErgie haben 36 internationale Experten das Spotmarkt-Design von zukünftigen Strommärkten diskutiert. Der Anteil volatiler erneuerbarer Energien am Strommarkt steigt – das erfordert deutliche Anpassungen des Marktdesigns. Fazit des Tages: Die Politik muss den Rahmen setzen, damit eine sinnvolle Preisbildung an den Märkten erfolgen kann. Die Ergebnisse werden nun in ein Whitepaper eingearbeitet.

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Die Politik muss den Rahmen setzen, damit eine sinnvolle Preisbildung an den Märkten erfolgen kann. © adrian_ilie825 – stock-adobe.com

Im Mittelpunkt des SynErgie-Workshops Anfang Oktober 2020 stand die Frage, wie sich das Spotmarkt-Design für Strommärkte 2030 bis 2050 effizient und gerecht gestalten lässt. In Fachvorträgen und einem Expertenpanel diskutierten die Teilnehmer dazu aktuelle Themen aus interdisziplinärer Perspektive. Auf die Frage hin, was die Experten der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel raten würden, bekräftigte der Wirtschaftswissenschaftler Peter Cramton die Forderung: „Fix the governance so that it is politically feasible to get the prices right“ – zu Deutsch: „Gestalten Sie die Politik so, dass es politisch durchsetzbar ist, die Preise [für Energieflexibilität] richtig zu gestalten.“

Die Teilnehmer des Expertenpanels stimmten darin überein, dass Transportrestriktionen in (deutschen) Spotmärkten berücksichtigt werden müssen. Durch eine solche Änderung im Spotmarktdesign könnten Netzengpässe in Strompreisen abgebildet und teure Redispatch-Maßnahmen verhindert werden. Mit Redispatch-Maßnahmen werden aufgrund von Netzengpässen regelmäßig Kraftwerke und künftig auch Windparks im Norden heruntergeregelt und (meist im Süden) Reservekraftwerke hochgefahren. Neben Peter Cramton (University of Maryland, Universität zu Köln) nahmen Mette Bjørndal (Norwegian School of Economics), Raphael Heffron (University of Dundee) und Karsten Neuhoff (Technische Universität Berlin, Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung) an der Diskussion des Expertenpanels teil. Moderiert wurde die Diskussion von Martin Bichler (Technische Universität München).

Eine Vielzahl von Fachvorträgen deckte eine breite Palette an Themen zum zukünftigen Marktdesign ab, wie unter anderem: Internationale Erfahrungen mit verschiedenen Strommarktdesigns, Management von Netzengpässen, Nachfrageflexibilität und der Bedarf an neuen Börsenhandelsprodukten, Potenziale digitaler Technologien im zukünftigen Strommarkt sowie Energiegerechtigkeit.

Die Teilnehmer des Workshops stammten aus Deutschland, Luxemburg, Norwegen, USA und Schottland. Organisiert wurde der Workshop vom Kernkompetenzzentrum Finanz- & Informationsmanagement sowie die Projektgruppe Wirtschaftsinformatik des Fraunhofer FIT gemeinsam mit Kollegen der Technischen Universität München und des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung.

Die Ergebnisse des Workshops werden in ein gemeinsames SynErgie-Whitepaper einfließen. In den nächsten beiden Jahren sind weitere Workshops geplant, um einen kontinuierlichen Austausch mit internationalen Experten sicherzustellen und konkrete Handlungsempfehlungen an die Politik zu erarbeiten.